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Trachtengruppe bei der Fronleichnamsprozession

VeranstaltungenGeschichte der Blumenteppiche

An Fronleichnam 1842 wurde in Hüfingen erstmals ein Blumenteppich gelegt.
Der Bildhauer Franz Xaver Reich war im Jahr zuvor auf einer Studienreise in Italien und sah in Portici und Resina bei Neapel Prozessionswege mit farbenprächtigen Blumenteppichen.

Als er in seine Heimat zurückkam, fertigte er vor seinem Haus ebenfalls einen Teppich aus Blumen. In den folgenden Jahren beteiligten sich auch die Nachbarn, bis allmählich der ganze Prozessionsweg belegt war. 1906 wurde in der Zeitung erstmals über den Hüfinger Brauch berichtet.

Ab 1916 blieben die Blumenteppiche bis zum späten Nachmittag liegen, weil viele auswärtige Besucher nach Hüfingen kamen, um sich die Blütenpracht anzuschauen. Alte Fotos aus dieser Zeit lassen erkennen, dass die einzelnen Teilstücke nicht gleich breit und die Ornamente relativ einfach gestaltet waren. 1932 wurde bereits ein Tonfilm über die Prozession gedreht und 1936 traten neben religiösen auch politische Motive auf.

Motiv Fronleichnam

Während des Krieges war die Prozession in der Hinterstadt. Blumenteppiche wurden in dieser Zeit nur vor den Altären gelegt.

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der Brauch einen wahren Aufschwung. Aus der Volkskunst entwickelten sich künstlerisch gestaltete Bilder mit Figuren und Schattierungen, Schriften wurden beigefügt und aktuellen Themen dargestellt. Die Bilder wurden nicht nur vor Altären angefertigt, sondern auch als Mittelstück vor den Häusern an der Hauptstraße.
Die Motive sind teilweise eigene Entwürfe, oder es werden Vorlagen von Farbfenstern, aus der alten Buchmalerei, aus neuen religiösen Schriften oder Gemälden verwendet. Die Zeichnungen werden vereinfacht, auf Details wird verzichtet, damit eine materialgerechte Ausführung möglich ist.

Die figürlichen Darstellungen zeigten in den vergangenen Jahren hauptsächlich Szenen aus dem Leben Jesu, die Marienverehrung, sowie Engel oder Heilige. Christus wurde z.B. dargestellt in der Hl. Familie oder in Dreifaltigkeit, als guter Hirte oder Wundertäter, bei der Fußwaschung oder beim Abendmahl, am Ölberg, am Kreuz, als Auferstandener oder mit den Emausjüngern. Die Mariendarstellungen zeigen meistens die Immaculata, die Mutter mit dem Jesuskind, das Pfingstgeschehen oder die Marienkönigin.

Die Symbole versinnbildlichen meistens die Eucharistie. In verschiedenen Variationen werden verwendet: Lamm, Brot und Fisch. Die Schriften sind Bibeltexte, Wort aus der Hl. Messe, Gebete oder Lieder. Die aktuellen Themen erinnern z.B. an Frieden, Gemeinschaft oder Schutz.

Historische Zeittafel

  • 1841

    Der Hüfinger Bildhauer Franz Xaver Reich sieht während eines Studienaufenthaltes in Italien die Blumenteppiche von Genzano bei Rom
  • 1842

    Franz Xaver Reich legt den ersten Blumenteppich vor seinem Haus in der Hüfinger Hauptstraße
  • 1843

    Mehrere Hauptstraßenbewohner legen Blumenteppiche vor ihren Häusern
  • 1916

    Die Presse berichtet über die Blumenteppiche in Hüfingen
  • 1923

    Der Hüfinger Heimatdichter Gottfried Schafbuch beschreibt erstmals ausführlich den Brauch
  • 1932

    Der erste Tonfilm über die Fronleichnamsprozession in Hüfingen wird gedreht
  • 1938

    Das Blumenlegen wird von den Behörden verboten
  • 1947

    Die Hüfinger bemühen sich um die Wiederaufnahme des volkstümlichen Brauchs
  • 1955

    40.000 Besucher erleben die Fronleichnamsprozession in Hüfingen mit dem päpstlichen Nuntius für Deutschland Dr. Aloisius Muench
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