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Ensemble

VeranstaltungenHüfinger Sommertheater 2022

"Die Räuber"

In Hüfingen hat sich seit fast zwei Jahrzehnten eine Freilichttheatertradition entwickelt, die das abwechslungsreiche und interessante kulturelle Leben wesentlich bereichert. Bei den Aufführungen werden überwiegend geschichtliche Themen mit Bezug zur Stadt und Region aufgegriffen. Neben einer Auswanderungsgeschichte, einer Geschichte aus der Nachkriegszeit, einer Hüfinger „Trümmergeschichte“, einem klassischen Theaterstoff nach W. Shakespeare, einer Geschichte über die Hexenverfolgung im 17 Jh. und einem Theaterstück zur Badischen Revolution in Hüfingen, wurden zuletzt 2014 und 2015 der Theaterspaziergang „Das kalte Herz“ rund um das Areal der Römischen Badruine, erfolgreich aufgeführt. Beim Sommertheater 2017 wurde ein Stück zur römischen Geschichte Hüfingens aufgeführt und 2019 ging es im Stück „Des Lebens Kunst“ um den Hüfinger Künstler Lucian-Reich.

Als Regisseur und Autor konnte Paul Siemt wieder verpflichtet werden, den man in Hüfingen aus den Vorjahren bestens kennt. Er hat die nicht leichte Aufgabe, mit dem Stück „Die Räuber“ mit der richtigen Rolle zu besetzten. Paul Siemt versteht es aus dem Ensemble schauspielerische Höchstleistungen heraus zu kitzeln, wie die Aufführungen der letzten zwei Jahrzehnte eindrücklich zeigen.

Paul Siemt ist seit 1998 als Regisseur und teilweise Autor des Stückes dabei. Ihm gelang es durch eine professionell angelegte Probenarbeit sehr schnell die schauspielerischen Talente der Spieler zu wecken und zu fördern. In verschiedenen Workshops, die speziell zu besonderen Inszenierungen, aber auch zur allgemeinen schauspielerischen Ausbildung durchgeführt werden, bekommen die Laienschauspieler notwendige Grundlagen aus professioneller Hand vermittelt. Der Schauspielerstamm entwickelt sich ständig weiter. Auch der notwenige Nachwuchs wird regelmäßig in die Gruppe integriert.

Musik: Was wäre eine Theateraufführung ohne Musik? Der Donaueschinger Kai Armbruster komponiert für das Theaterstück eigene Musikstücke. In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Siemt werden die Stücke in zeitaufwändiger Arbeit entwickelt und zu Papier gebracht. Neben Kai Armbrusterwirken in der Musikgruppe mit.

Schauspieler: Alle Schauspieler und Musiker sind hoch motiviert und opfern für das Hüfinger Sommertheater sehr viel Freizeit. Das sich entwickelnde Gemeinschaftsgefühl ist für die Schauspieler und Musiker ein besonderes Erlebnis. Die Theatergruppe entwickelte sich in den zurückliegenden Jahren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Dabei spielgelt die Theatergruppe einen Querschnitt aus der Bevölkerung. Junge, Rentner, Studenten, Arbeiter, Akademiker und Spieler mit Migrationshintergrund wirken regelmäßig beim Hüfinger Sommertheater mit und bilden so eine bunte Gemeinschaft.

Inhalt des Stücks: Michael Friedrich Klumpp, genannt „Der Schöne Fritz“, Sohn eines Metzgers, des Lesens und Schreibens mächtig, avancierte zu einem der meistgesuchten Räuber des deutschen Südwestens. Warum? Sind ein gewalttätiger Lehrherr, der Dreißigjährige Krieg, geringe Entlohnung, der Ausbruch des Mount Tamboras in Indonesien, dessen Aschewolke halb Europa überzog (1816 war ein Jahr ohne Sommer) und für Missernten und größte Not in Deutschland sorgte, dafür verantwortlich? Fritz soll ein herzensguter Mensch gewesen sein: „Vergesst die Prügel nicht. Aber bloß zum Angstmachen, gell!“  Bei seiner Verhaftung war er 28 Jahre jung und starb drei Jahre später in der Strafanstalt an Auszehrung. Beim Verhör gab er zu Protokoll: „Ich bin auf der Wanderschaft von der Montierung gekommen, habe deshalb keine Arbeit mehr gefunden und bin so aus Mangel dem Betteln und bei jugendlicher Leichtsinnigkeit, wo ich’s mir halt nicht so überlegt habe, dem Stehlen zugeführt worden.“

Der Grat zwischen gutbürgerlichem Leben und der Räuberei kann ein recht schmaler, gefährlicher sein. Das diesjährige Sommertheater führt uns zu den Abgründen. Wo der Hunger die Räuberei gebiert. Die Verzweiflung nach Gewalt schreit. Die Angst die Moral überlistet und die Gier mit dem Tod spielt. Auch von denen, die man nicht hört, von den Stummen ist die Rede, die mit klammheimlicher Freude der Räuberei zugetan sind, sich „ins Fäustchen lachen“ wenn den Reichen die Sackuhr oder das Geld abhanden kommt. Aber wehe der eigene Schinken wird aus der Kammer gestohlen Oliver, ein ehemaliger Armeesekretär, nun Strauchdieb sagt über die Räuberei: „Mein tapferer Simplicius, ich sage dir, die Räuberei ist die edelste Tätigkeit, der man heutzutage auf dieser Welt nachgehen kann. Sage mir doch, wie viele Königreiche und Fürstentümer sind nicht zusammengeraubt und mit Gewalt errichtet worden? Und wo auf dieser Erde wird es einem König oder Fürsten übelgenommen, wenn er die Einkünfte aus seinen Ländern genießt, die doch meistens aus Gewalttaten herrühren, die dessen Vorfahren begangen haben? Welches Handwerk könnte denn noch edler oder adeliger sein als jenes, dass ich jetzt betreibe? Es wird kein Wucherer bestraft, der seine herrliche Kunst heimlich treibt, nämlich unter dem Mantel der christlichen Liebe. Warum sollte da ich strafbar sein, der ich meine Kunst offen, auf gut altdeutsche Art ohne Bemäntelung und Gleisnerei betreibe? Ich habe ein aufrichtiges Gemüt und führe dieses Leben frei, offen und ohne alle Scheu.“

Vom 13. Juli bis 6. August 2022 finden jeweils Aufführungen auf der Naturtribüne bei der Römischen Badruine statt. Der Kartenvorverkauf startet ab dem Frühjahr 2022 bei allen bekannten Vorverkaufsstellen im Schwarzwald-Baar-Kreis über das „Regionalticket“.

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Folgende Aufführungen wurden in der Vergangenheit aufgeführt:

  • 1998 Revolutionstheater
  • 2003 "Maria brennt"
  • 2005 Wie es uns gefällt - Hüfinger Liebesgeschichte
  • 2007 Verschollen 1946
  • 2009 Amerika, Amerika! - Eine Hüfinger Auswanderergeschichte
  • 2012 "Freiheit! Die Badische Revolution"
  • 2014 "das Kalte Herz" Theaterspaziergang
  • 2015 "das Kalte Herz" Theaterspaziergang
  • 2017 "Das Artefakt"
  • 2019 "Des Lebens Kunst"
  • 2022 "Die Räuber"


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