Internationale Keramikwochen- Internationaler Töpfermarkt

Internationale Keramikwochen 09.-24.09.2017 Internationaler Töpfermarkt 09./10.09.2017

Fans, Freunde und Freundinnen der alljährlichen Hüfinger Keramikwochen erwarten schon sehnsüchtig deren Start – und nun endlich ist es mit der 26. Ausgabe der beliebten, von der Stadt Hüfingen ausgerichteten Veranstaltung rund um die zeitgenössische Keramik wieder soweit: Mit der Eröffnung der Sonderausstellungen im Stadtmuseum und in der Rathausgalerie am Freitagabend, dem 8. September, wird das ganz der Gegenwartskeramik gewidmete Wochenende eingeläutet, das mit dem zentralen Töpfermarkt am Sennhofplatz Keramikbegeisterte und Kunstliebhaber in das charmante Städtchen auf der Baar zieht.
 
Genau 50 aus einer Vielzahl von Bewerbungen ausgesuchte Töpfer und Töpferinnen, Keramiker und Keramikerinnen, Künstler und Künstlerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Frankreich, Belgien und, erstmals, aus der Tschechischen Republik bieten am Samstag und Sonntag, 9. und 10. September auf dem Töpfermarkt wieder ihre Waren feil: Handgearbeitetes, originelles Geschirr, schöne Vasen, Skulpturen, keramischer Schmuck, Gartenobjekte und -möbel, Brunnenstelen, Musikinstrumente. Wer hier nicht fündig wird… Im Saal des Katholischen Pfarramtes in unmittelbarer Nähe zum Markt gibt es die thematische Ausstellung der Marktteilnehmer: „Gefäße – um die Ecke gedacht...“. Wieder dürfen Besucher per Stimmabgabe entscheiden, wer hier die Geldpreise erhält. Wer abtimmt, hat die Chance, einen Gutschein für die Gastronomie Hüfingens zu gewinnen.

Töpfermarkt    Töpfermarkt

Die diesjährigen Sonderausstellungen in der Rathausgalerie und im Stadtmuseum bieten ausdrücklich dem keramischen Gefäß ein Forum: Mit Elke Sada, Sebastian Scheid und Martin Schlotz werden drei herausragende deutsche zeitgenössische Gefäßkeramiker präsentiert.
 
Die heute in Leipzig arbeitende Elke Sada (*1965), als Keramikerin ausgebildet an renommierten Hochschulen in England – erst an der Bath Spa University, dann am Royal College of Art in London –, hat in den letzten Jahren Furore gemacht mit Ihren aus Platten gebogenen Zylindergefäßen, die Dekore aus abstrakten, starkfarbigen Monotypie-Malereien tragen. Aus zugeschnittenen Tonstreifen kompliziert montierte Nest-Gefäße machen das Gefäß durchlässig, verwandeln die funktionale Geschlossenheit in eine komplex komponierte Offenheit, wie man sie sonst von Flechtwerk und Körben her kennt. Archäologische Funde inspirierten die Keramikerin zu den sogenannten „Hallstatt-Gefäßen“: Große, hohe, aus Platten gebildete Objekte mit unregelmäßigen Rändern, über und über mit starkfarbiger, laufender Malerei bedeckt. Delikat prangt Farbe auf Gefäßen in ganzer Pracht.

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Für Sebastian Scheid (*1962) stand von kleinauf fraglos fest, daß er Keramiker werden würde. Was wunder, waren seine Eltern Karl & Ursula Scheid doch selbst Keramiker, die seit Ende der 1950er Jahre mit ihren Gefäßen Maßstäbe für die westdeutsche Studiokeramik setzten. Doch Sohn Sebastian vermied es, in die übergroßen Fußstapfen der Eltern zu treten: Er suchte seine Prägungen in größtmöglicher geographischer Entfernung. Nach Praktika in England und in den USA fand er seinen Meister schließlich in Japan: Von 1984 bis ´86 lernte er bei dem Lebenden Nationalschatz Tatsuzo Shimaoka im legendären Töpferort Mashiko. Seit 1987 ist er in eigener Werkstatt im hessischen Düdelsheim tätig. Sebastian Scheids Gefäße aus Steinzeug und Porzellan – gedreht oder bildhauerisch aus dem massiven Tonblock geschnitten – sind durch wohlkalkulierte Schnitte mit der Drahtschlinge bestimmt: Die Wandungen werden mit frei gezogenen Schnitten gegliedert oder exakt dekoriert. Reduzierend gebrannte Glasuren setzen gemessen Akzente, betonen die Schnittgrate oder die Unterschiedlichkeit von Innen und Außen.
        
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Martin Schlotz (*1959) dagegen steht in ganz anderen Traditionslinien, studierte er doch von 1987 bis 1992 bei Volker Ellwanger an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, was ihn mit jenem großen Gefäßkeramiker und dessen Lehrer Jan Bontjes van Beek in eine bestimmte Auffassung des keramischen Gefäßes in Deutschland stellt. Man ahnt durch das Werk der drei die sich über mehr als ein halbes Jahrhundert ziehende Genealogie, bemerkt ein inständiges Kreisen um das Grundproblem des keramischen Gefäßes der Gegenwart: Die achsiale Gliederung desselben. Seit 1993 in eigener Werkstatt in Laudert dreht Martin Schlotz seine starkwandigen, in ihrer formalen Schärfe streng wirkenden Gefäße sämtlich auf der Scheibe intuitiv in einem Zug. Selten zeigen sie in der Silhouette Rundung, eher winklige Vor- und Rücksprünge, die die rhythmisch komponierten Gefäße bestimmen: Stämmige, kräftige Turmformen und scharf profilierte Schalenformen aus Steinzeug und Porzellan. Glasur und Engoben dienen zur weiteren chromatischen Gliederung oder konterkarieren neuerdings mit heftiger matter Monochromie und rauhen grobblasigen Oberflächen die formale Schärfe.
 
Die Ausstellungen von Elke Sada in der Rathausgalerie und von Sebastian Scheid und Martin Schlotz im Stadtmuseum sind bis zum 24. September zu sehen.


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